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Individualität als Verpflichtung

FH - das grosse Fertighausmagazin / Autorenschaft beim Verlag und Claudia Dabringer

 

DAS ARCHITEKTEN-EHEPAAR CHRISTINE UND HORST LECHNER BETRACHTET DIE INTEN-SIVE AUSEINANDERSETZUNG MIT DEN WÜNSCHEN IHRER KUNDEN ALS OBERSTE PFLCHT. GERADE DESHALB SETZEN DIE BEIDEN AUCH AUF DAS BAUEN MIT FERTIGTEIL ELEMENTEN ...

Claudia Dabringer: Die Häuser, die Sie entworfen, geplant und verwirklicht haben, wurden international mit Preisen überhäuft. Was unterscheidet Ihre Art zu gestalten von jener anderer Architekten? 

Horst Lechner: Ich würde hier nicht auf Unterschieden aufbauen. Wir verstehen individuelles Bauen als Kern unserer Aufgabe. Deshalb entstehen die Räume und das Thema Planen der Innen- und Außenräume sowie die Verbindung dazwischen aus den Diskussionen mit den Bauwilligen. Daraus wiederum werden relativ individuelle Raumgefüge entwickelt. Und das Formale ergibt sich aus dem Einsatz, von Bauteilen und Technik. Architekten wird oft der Vorwurf gemacht, sie würden versuchen, ihren Kunden ihr Konzept vom Wohnen einzureden. Kann Ihnen das auch passieren oder passen Sie sich gänzlich den Ideen der künftigen Bauherren an?  Christine Lechner: Es gibt einen Bauherren und es gibt einen Bauplatz und dann gibt es ouch die Wünsche des Bauherren, was er sich erwartet. Das alles versuchen wir vorher zu recherchieren. Am SchiuB steht dann ein Haus, das diesen Erwartungen entsprechen sollte.

Horst Lechner: So individuell können die Wünsche des Bauherrn gar nicht sein, als daß wir sagen würden, wir machen es nicht. Denn dann wird es erst spannend.

Claudia Dabringer: Sie führen Ihr Unternehmen gemeinsam. Was fließt von wem in ein Projekt ein?

Horst Lechner: Das ist nicht auseinanderzuhalten. Wir sitzen immer gemeinsam zusammen und diskutieren und schauen uns Dinge an oder fahren an Orte, die für den Bauherren wichtig sind oder ihm Kraft geben. Und anschließend verdichten wir unsere Eindrücke, die wir in durchaus unterschiedlicher Weise gewonnen haben, zu einem Vorschlag. Dann gibt's ein Modell dazu, Pläne, aber das alles entsteht gemeinsam in einem kreativen Prozess.

Claudia Dabringer: Würden Sie von sich behaupten, dass sich durch Ihr gemeinsames Leben und Ihre gemeinsame Arbeit sich ein gemeinsamer Stil entwickelt hat?

Christine Lechner: Uns ist vor allem der Landschaftsbezug wichtig. Wir wollen die Natur ins Haus holen, aber ebenso ausblenden, was weniger gefällt. Auch die kompakte und trotzdem offene Raumsituation ist für uns von großer Bedeutung. Horst Lechner: Darüber hinaus versuchen wir seit Jahren, Häuser zu bauen, die mit ein-, zwei- oder dreitausend Schilling Heizkosten im Jahr auskommen oder überhaupt Nullenergiehäuser und, weil wir glauben, daß so ein Haus die beste Altersversorgung ist.

Claudia Dabringer: Gibt es für diesen roten Faden In Ihrem gemeinsamen Stil den perfekten Baustoff, die perfekte Bauweise?

Christine Lechner: Darauf wollen wir uns eigentlich nicht festlegen. Trotzdem greifen auch wir auf Methoden oder Materialien zurück, die sich hewährt haben. Grundsätzlich probieren wir aber gerne verschiedene Materialien aus, wie unser für eine Kärntner Familie geplantes Haus aus Stroh beweist. Horst Lechner: Jeder Baustoff hat Vor- and Nachteile. Bei unseren Planungen bezüglich des Materials achten wir stets darauf, daß die Kosten stimmen. Denn wenn wir beispielsweise nur drei Millionen Schilling zur Verfügung haben, dann schauen wir eben so lange, bis wir den geeigneten Baustoff gefunden haben.

Claudia Dabringer: Sie vorwenden bei Ihren Häusern auch vorgefertigte Bauteile. Worin liegen für Sie die Vorteile?

Christine Lechner: Die Erstellung st günstiger. Je mehr Bauteile vorgefertigt werden, desto niedriger sind die Kosten und dementsprechend verkürzt sich auch der Zeitlauf. 

 

Horst Lechner: Ein weiterer Vorteil liegt in der Leichtigkeit dieser Bauteile. Dadurch wird das Eigengewicht und damit auch der statische Aufbau des Hauses reduziert. Oder wenn die Wärmedämmung ein gewisses Maß nicht überschreiten soll, setzen wir tendenziell einen vorgefertigten Bauteil ein, der jene Kriterien erfüllt, um die empfohlenen Werte zu erreichen.

Claudia Dabringer: Fertighaushersteller sprechen von der großen Individualität Ihrer Produkte. Würde es Sie reizen, Gustav Peichl oder Matteo Thun zu folgen und ein ganzes Fertighaus zu planen?

Horst Lechner: Nicht nach den eigenen Vorstellungen. Denn für ein Fertighaus kann es nur ein beinhartes Briefing geben, bei dem festgelegt wird: für wen ist es, was muß es können und welche Rahmenbedingungen sollen erfüllt werden. Sonst ist es eine Totgeburt und nützt niemandem. Grundsätzlich muss man sagen: Es ist kostengünstig, ist klasse und begeistert die jungen Leute. Es sollte ja für viele Menschen sein und deshalb auch den Geschmack vieler Menschen treffen.

Claudia Dabringer: Bedeutet das, daß Ihr Entwurf nur für junge Leute und weniger für ältere Menschen entwickelt würde? 

Horst Lechner: ich schließe die ältere Zielgruppe überhaupt nicht aus, denn gerade sie hat oft äußert interessante und offene Vorstellungen vom Wohnen, die sich in vielen Fällen nicht von den Visionen junger Menschen unterscheiden. Gerade die ältere Generation will kein Jagdhaus, wie unsere Erfahrungen im ländlichen Bereich gezeigt haben. Denn wenn wir irgendwo ein modernes Haus bauen, sind es meist die Älteren, die es verteidigen. Trotzdem: Der Trend in den Entwürfen geht einfach in Richtung jüngere Zielgruppe.

Claudia Dabringer: Immer mehr Menschen entscheiden sich für sein Fertighaus, das ja inzwischen ein ziemlich ausgereiftes Produkt ist. In welchem Fertighaus wohnen die Menschen Ihrer Vision nach in 15 Jahren?

Christine Lechner: In einem, das günstig in der Erstellung ist, niedrige Fixkosten hat und qualitatives Wohnen ermöglicht.

Claudia Dabringer: Also im Prinzip nicht anders als haute. Auch architektonisch nicht?

Horst Lechner: Das schon, Denn es muß ein Mittelding gefunden werden zwischen den Fertighäusern, die von bekannten Architekten geplant werden und im oberen Preissegment angesiedelt sind und jenen, die auf der günstigeren Schiene laufen. Meines Erachtens liegt dazwischen momentan nur die Fertighaus Philosophie des Vorarlberger Architekten Johannes Kaufmann, der ein containerartiges Konzept verfolgt. Grundsätzlich werden die Fertighäuser aber immer individueller werden müssen, denn niemand will in einem Haus wohnen, das ein anderer ebenfalls hat. Christine Lechner: Schließlich ist ja jeder irgendwie auf Heimatsuche.

FH. FERTIGHAUSMAGAZIN 1993

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