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Residential and Studio House Lechner by Lechner and Lechner Architects in Salzburg, Austria

 von ArchEyes Team| Veröffentlicht am: 18. August 2026 

(Vom Englischen ins Deutsche übersetzt)

Das Residential & Studio House Lechner fügt ein gemischt genutztes Wohn- und Arbeitsgebäude in das historische Zentrum Salzburgs ein. Durch eine kompakte vertikale Organisation, bepflanzte Terrassen und Wasser wird dichtes urbanes Wohnen neu gedacht – mit einem besonderen Fokus auf Privatheit, Arbeiten und den unmittelbaren Bezug zum Außenraum.

Residential & Studio House Lechner – Technische Informationen

Architekten: Lechner & Lechner Architects

Ort: Historisches Zentrum von Salzburg, Österreichk

Fläche: 300 m²

Projektzeitraum: 1990–2010

Fotografie: © Julian Höck

„Anstatt Wohnen, Arbeiten und Erholung auf unterschiedliche Bereiche der Stadt aufzuteilen, werden diese Funktionen in einem einzigen Gebäude zusammengeführt."  – Lechner & Lechner Architects

Bauen im Bestand innerhalb des historischen Stadtgefüges Salzburgs

Auf einem Grundstück von etwa 130 Quadratmetern im geschützten historischen Zentrum Salzburgs setzt sich das Residential & Studio House Lechner mit den Spannungen innerstädtischer Nachverdichtung auseinander, anstatt zu versuchen, diese zu neutralisieren. Das schmale Grundstück ist von älteren Gebäuden unterschiedlicher Maßstäblichkeit, Konstruktion und formaler Sprache umgeben. Die Antwort darauf ist ein kompakter, kalkweiß verputzter Baukörper, der die bestehende Straßenflucht fortführt und zugleich durch flächige Fassaden, präzise gesetzte Öffnungen und eine abgestufte Abfolge von Rücksprüngen seine zeitgenössische Entstehungszeit sichtbar macht.

Die Fassade vermeidet eine stilistische Nachahmung der angrenzenden barocken und traditionellen Gebäude. Flächenbündige Fensteröffnungen, dunkel bronzebraune Rahmen und die Eckverglasung im obersten Geschoss schaffen eine eigenständige tektonische Ordnung, während der weiße Putz zugleich eine materielle Verbindung zu den mineralischen Oberflächen der historischen Salzburger Bausubstanz herstellt. Spiegelungen in der Eckverglasung nehmen die gegenüberliegende Dachlandschaft in die Fassade auf und machen die bestehende Stadt zu einem sich ständig verändernden visuellen Bestandteil der neuen Gebäudehülle, anstatt sie lediglich als entfernten Kontext zu behandeln.

Im Erdgeschoss tritt das Gebäude unmittelbarer mit der Gasse in Beziehung. Eine verglaste Atelierfront liegt hinter groben Pfeilern aus Waschbeton und bildet damit einen bewusst rauen Sockel unter dem glatter verputzten oberen Baukörper. Die Bepflanzung wächst über den Rand der darüberliegenden Terrasse und mildert die Grenze zwischen privater Nutzung und öffentlichem Straßenraum. Die Sichtbarkeit des Ateliers und das alltägliche Leben in der Gasse lassen das Gebäude zu einem Teil der kleinteiligen sozialen Struktur der Altstadt werden, anstatt als abgeschottetes Privathaus zu funktionieren.

Vertikale Mischnutzung und der Übergang vom Öffentlichen zum Privaten

Das Projekt ist als vertikale Mischnutzung organisiert. Das Architekturbüro befindet sich im Erdgeschoss, während sich die Wohnnutzungen darüber auf zunehmend privatere Ebenen verteilen. Das Gebäude wird damit weniger als ein freistehendes Haus verstanden, das in die Stadt übertragen wurde, sondern vielmehr als zeitgenössisches Stadthaus, in dem Arbeiten, Wohnen und Freizeit unmittelbar übereinander angeordnet sind. Die öffentliche Seite bleibt auf Straßenniveau, während sich die oberen Geschosse in eine Landschaft aus Terrassen, Bepflanzung und gerahmten Ausblicken zurückziehen.

 

Das Atelier entstand in den 1990er-Jahren durch den Umbau einer ehemaligen Motorradwerkstatt. Dabei wurde der bestehende industrielle Charakter bewahrt: Stahlträger, massive Mauerwerkswände, gewölbte Nischen und große Verglasungen mit Stahlrahmen blieben erhalten. Anstatt diese Elemente hinter einer wohnlichen Oberflächengestaltung verschwinden zu lassen, wurde der Bestand durch Arbeitstische, Regale und abgehängte Planschränke ergänzt. Diese hängen an der ursprünglichen Stahlkonstruktion und können verschoben werden, um den Raum zu unterteilen, Zeichnungen und Modelle aufzunehmen oder die Fläche für Besprechungen und Veranstaltungen freizugeben.

 

Dieser anpassungsfähige Innenraum verleiht dem Atelier trotz der engen Grundstückssituation eine ungewöhnliche räumliche Offenheit und Unbestimmtheit. Gleichzeitig entsteht ein bewusster Kontrast zu den stärker definierten Wohnräumen darüber. Das Erdgeschoss bleibt dem visuellen Austausch mit der Straße geöffnet, während das Aufsteigen durch das Gebäude mit einer schrittweisen Abnahme der öffentlichen Einsehbarkeit verbunden ist. Die Schnittorganisation macht Privatheit damit zu einer architektonischen Qualität, die durch Höhe, Bepflanzung und gezielt gesetzte Öffnungen entsteht – und nicht bloß durch die Abgrenzung von der Stadt.

Garten, Wasser und private Außenräume unter dichten städtischen Bedingungen

" Der Dachgarten ist das zentrale räumliche Instrument des Projekts. Anstatt das gesamte verfügbare Volumen in geschlossene Wohnfläche umzuwandeln, wird ein beträchtlicher Teil des Grundstücks Terrassen, Pflanzbeeten, Wasserläufen und einem kleinen Pool gewidmet. Diese Entscheidung ist in einem historischen Stadtzentrum besonders relevant, in dem private Außenräume häufig auf Innenhöfe, schmale Balkone oder weit entfernte öffentliche Parks beschränkt sind. Hier ist der Außenraum keine Ergänzung zum Wohnen, sondern wird selbst zu einem Raum des täglichen Lebens. "

Auf der Hauptwohnebene öffnen raumhohe Schiebeverglasungen mehrere Seiten des Innenraums zur Terrasse. Eine umlaufende Erschließung ermöglicht es, sich um das Haus herum zu bewegen und lockert damit die herkömmliche Trennung zwischen Fassade und Grundstücksgrenze. Ein langgestrecktes Wasserbecken verläuft unmittelbar neben der Verglasung auf Bodenniveau und trägt Licht und Spiegelungen in den Wohnraum. Die daraus entstehende Situation erinnert an einen Wintergarten, ist jedoch weniger als geschlossener Glaskörper zu verstehen, sondern vielmehr als fließende Schwelle zwischen Küche, Essbereich, Terrasse, Wasser und Himmel.

Die Vegetation erfüllt gleichzeitig mehrere Funktionen. Spalierobstbäume, kletternde Glyzinien, Rosen, Ziergräser und niedrige Stauden schaffen Sichtschutz gegenüber den nahe gelegenen Nachbarfassaden und ermöglichen zugleich gezielte Fernblicke über die Altstadt. Der jahreszeitliche Wandel verändert Dichte, Schatten und Farbigkeit der Terrassenlandschaft. Details wie frei im flachen Wasserbecken liegende Wurzeln oder ein Vogelnest innerhalb der Fassadenbegrünung zeigen, dass die Bepflanzung mehr als reine Dekoration ist. Sie schafft innerhalb einer stark bebauten Umgebung einen kleinen, aber spürbaren Lebensraum.

Materielle Kontinuität und ökologische Systeme

Eine zurückhaltende Materialpalette verbindet Atelier, Wohnbereiche und Außenräume zu einem zusammenhängenden Ganzen. Kalkbasierter Putz stellt eine Beziehung zur langen Tradition mineralischer Putzfassaden in Salzburg her, ohne historisierend zu wirken. Im Erdgeschoss sorgt Waschbeton für eine schwerere und stärker haptische Materialität. Dunkle Stahlrahmen, Geländer und konstruktive Elemente setzen einen präzisen industriellen Akzent und führen den Charakter der ehemaligen Werkstatt fort. Edelstahl, Eiche, helle Gussböden und klares Glas prägen die Wohnräume

 

Innerhalb des schmalen Grundrisses werden spiegelnde und transparente Oberflächen als räumliche Werkzeuge und nicht als bloße Dekoration eingesetzt. Verspiegelte Küchenwände vervielfachen die Ausblicke auf Vegetation und Tageslicht und vergrößern optisch die Tiefe des Raumes. Schiebeverglasungen verbinden die innere Erschließung mit der Terrasse, während gezielt gesetzte Fenster benachbarte Barockfassaden, Dachlandschaften und die entfernte Festung Hohensalzburg rahmen. Diese Elemente versuchen nicht, die Dichte des Umfelds auszublenden. Vielmehr machen sie die unmittelbare Nähe der umgebenden Gebäude selbst zu einem Bestandteil des Wohnerlebnisses.

 

Die ökologische Strategie ist unmittelbar in dieses kompakte urbane Modell integriert. Rund 35 Quadratmeter Photovoltaikmodule tragen zur Stromerzeugung vor Ort bei, während eine Erdwärmepumpe in Verbindung mit Tiefenbohrungen die Wärmeversorgung übernimmt. Eine kontrollierte mechanische Lüftung mit Wärmerückgewinnung reduziert den Energiebedarf und unterstützt zugleich ein Gebäude, dessen Wohnräume stark mit großflächigen Verglasungen verbunden sind. Gemeinsam mit der Dachbegrünung und dem Erhalt der ehemaligen Werkstattstruktur positionieren diese Systeme das Projekt als Beispiel dafür, wie dicht bebaute historische Stadtbereiche sowohl durch räumliche als auch durch technische Maßnahmen weiterentwickelt werden können.

Über Lechner & Lechner Architects


Lechner & Lechner Architects ist ein Salzburger Architekturbüro von Christine Lechner und Horst Lechner. Das Büro befindet sich im Erdgeschoss des Residential & Studio House Lechner in einer ehemaligen Motorradwerkstatt, die das Architektenpaar bereits in den 1990er-Jahren umgebaut hatte. In diesem Projekt werden Arbeiten, Wohnen, Erholung, Bepflanzung und ökologische Gebäudetechnik in einer kompakten vertikalen Interpretation des europäischen Stadthauses miteinander verbunden.​​

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