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Kärntner Designer für Neue Bahn

DIE BRÜCKE / Autorenschaft beim Verlag

Horst und Christine Lechner gewannen Designwettbewerb für zwei neue Salonwagen der ÖBB

Horst Lechner wurde 1959 in Villach geboren, wo er die HTL, Fachrichtung Tischlerei und Raumgestaltung besuchte. Von 1977 bis 1983 studierte er an der Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung in Linz bei Prof. Laurids Ordner - Umraumgestaltung - und Prof. Friedrich Goffitzer - Innenarchitektur - sowie an der Salzburger Sommerakademie bei den Architekten Peichl und Holzbauer. Nach einer Praxis am "Forschungsinstitut für behindertengerechte Umweltgestaltung" in Linz machte er sich 1986 in Salzburg selbstständig, seit 1988 arbeitet er mit seiner Frau und Studienkollegin Mag. Christine Lechner zusammen. An Kärnten erinnert ihn seine Sportlervergangenheit beim RV Villach, wo er 1972 bis 1977 Kärntner und österreichischer Meister in etlichen Ruderdisziplinen wurde Christine Lechner, geborene Stadler, stammt aus St. Johann im Pongau. Nach der Matura studierte sie in Linz bei Prof. Goffitzer, wo sie Horst Lechner kennenlernte. Sie besuchte mit ihm die Salzburger Sommerakademie und arbeitete ebenfalls am Linzer "Forschungsinstitut für behindertengerechte Umweltgestaltung". 1984 errang sie ihr Diplom mit Auszeichnung, arbeitete in verschiedenen Architekturbüros und nahm an mehreren Wettbewerben und Ausstellungen teil. Seit 1988 gemeinsames Atelier mit Mag. Horst Lechner.

Die Österreichischen Bundesbahnen haben Salonwagen in Diest, die aus den Zeiten der Donaumonarchie stammen. Bei aller Nostalgie entsprechen diese Salonwagen nicht mehr den zeitgemäßen Anforderungen an den modernen Waggonbau, insbesondere wenn man die angepeilten Höchstgeschwindigkeit Von 200 Stundenkilometern künftiger Eisenbahnzüge berücksichtigt. Die Konsequenz: Ein Architektur- und Design-Wettbewerb der ÖBB von Mai bis September 1988. Am 7. November wurden die Entwürfe im Technischen Museum in Wien prämiert und präsentiert: Erfreulich für Kärnten: Der erste Preis wurde dem aus Treffen in Kärnten stammenden Designer Mag. Horst Lechner und seiner Salzburger Frau Mag. Christine - beide haben ihr Atelier in Salzburg - zugesprochen.

Eigentlich wollen die ÖBB in zwei Salonwagentypen bauen, einen für Stoatsgäste und die Bundesregierung und einen für die kommerzielle Nutzung zur Vermietung an Firmen, Körperschaften oder Private. Gedacht ist an eine Nutzungsdauer der Waggons von 40 Jahren, gefordert wurden Entwürfe für eine Vorfertigung und Montage der Waggonteile, Möglichkeit der Serienfertigung sowie von Detailvarianten, geringes Gewicht, hohe Schalldämmung und höchste Brandstabilität. Auch soll der Solonwagen leicht zu reinigen sein, die Ausbauteile sollen aus speziellen Marktkunststoffen sein.

Die Bundesbahnen verfolgten mit dem Wettbewerb zwei Ziele: Einmal wollten sie Architekten und Designern die Chance einer Profilierung auf dem Gebiet der Reisezugwagen bieten, zum anderen ging es darum, sich einmal einen aktuellen Überblick über das innovative und kreative Potential auf dem gebiet des Fahrzeugdesigns in Österreich zu verschaffen. Vorgesehen waren drei Preise zu 150.000. 100.000 und

70.000 Schilling, außerdem gab es einen Entwurfsankauf um 20.000 SchilIing. Die internationale Jury setzte sich aus Prof. Dipl.-Ing. Laurids Ordner von der Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung in Linz, ÖBB-Generaldirektor Dr. Heinrich Übles, dem Chefdesigner der Dänischen Staatsbahnen, Jens Nielsen, dem Chefarchitekten der Schweizerischen Bundesbahnen. Uli Huber, und dem Chefdesigner der Norwegischen Staatsbahnen. Jacob Heiberg, zusammen. Sie sprach dem Projekt van Mag. Horst und Mag. Christine Lechner den ersten Preis zu.

Die Jury begründete ihren Entschluss damit, daB sich der preisgekrönte Entwurf durch ein großzügiges, klar ablesbares räumliches Konzept auszeichne. Mit der vorgeschlagenen wellenförmigen Wandgliederung gelinge es, sowohl die angestrebte funktionelle Gliederung zu erreichen, als auch eine attraktive Wegführung durch den Waggon zu ermöglichen. Das gesamte Erscheinungsbild verbinde ohne Aufdringlichkeit die Aspekte modern und repräsentativ, in diesem Sinne erfülle das Projekt die gestellten Anforderungen in frischer, unkonventioneller Form. Das Material- und Farbkonzept sowie die Beleuchtung und Möblierung bedürfe noch einer vertiefenden Überarbeitung. Vorerst sollen zwei Salonwaggons gebaut werden; was für das Designer-Ehepaar besonders erfreulich ist: Nicht nur die Jury hat ihren Entwurf zum Bau empfohlen, auch die ÖBB und insbesondere Generaldirektor Dr. Übles schätzen und unterstützen den Entwurf. Das äußere Erscheinungsbild der Salonwaggons wird durch die Zusammenfassung der Fenster zu einem durchgehenden Fensterband bestimmt, das aus getöntem, schußfestem Plexiglas ausgeführt ist. Das Band, das ebenso wie Einstiegstüren und Oberlichten bündig in die Außenhaut des Waggons integriert ist, wird wegen der hohen Fahrgeschwindigkeiten, aber auch zur optischen Beruhigung des Waggon-Bildes so geformt. Hochgezogene Türen mit Fenstern und Oberlichten aus getöntem Sieherheitsplexiglas betonen die Einstiegsbereiche großzügig und übersichtlich als Vertikale. Em Salonwaggon wird insgesamt rund 20 Millionen Schilling kosten, Anfang 1990 sollen beide Waggontypen auf den Schienen stehen.

Ein Personenschiff für den Ossiacher See

Während man an den Gestaden des Wörter Sees der Thalia-Nostalgie frönte, entwarf Horst Lechner im Jahre 1986 für das Schiffahrtsunternehmen Josef Nageler ein Personenschiff für den Ossiacher See. Das Schiff mit einer Länge über alles von 28.90 Metern und einer Breite über alles von 6,11 Metern soll 220 Personen Platz bieten, wovon neben dem Schiffsführer ein bis zwei Begleiter vorgesehen sind. Das Schiff mit Bar und Buffet soll von einem Ruderpropeller im Mittelschiff angetrieben werden und eine elektrohydraulische Kraftsteuerung aufweisen. Durch die Gestaltung des Schiffes soll der Anreiz zur Schifffahrt über den Linientransport hinausgehen und zu Fahrten am Abend mit verschiedenen Veranstaltungen wie Betriebsfeiern, Partys. Vereinstreffen, Ausflüge mit Spielkasino, Tanzabende und sonstige Sonderfahrten animieren. Im normalen Linienbetrieb muß ein kostengünstiger Betrieb mit nur einem Schiffsführer mit einem Begleiter möglich sein. Mag. Lechner hat zu seinem Schiffsentwurf folgende Gedanken niedergeschrieben: Das Schiff kommt und fährt den ganzen Sommer. Es spricht, es verbindet die Anlegestellen mit dem Hauptort am See. Es verbindet mit der Kirche. Oben, auf den umliegenden Berghängen, sehe ich dieses Schiff immer wieder kommen,jedes Jahr. Ich sehe auch die VWellenentwicklung des Schiffes, sie gehört mit zur Gestaltung. Ein Ablauf von Formen entsteht. Ich habe versucht, dies umzusetzen in eine lesbare Geometrie.

DIE BRÜCKE 1987

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