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H.O.M.E. AUS DER REIHE GETANZT 1999

Aus der Reihe getanzt  

 

Schwieriges Kunststück: Wie verwandelt man ein Reihenhaus in ein Traumhaus ? Home fand ein aufbauendes Musterexemplar in Kuchl/Salzburg. Zur Situation: Auf der Suche nach dem Eigenheim schwankt die Wahl zumeist zwischen zwei Polen _ Wohnung oder Einfamilienhaus. Warum sich das Reihenhaus als scheinbar idealer Konpromiß geringerer Beliebtheit erfreut, erläutert Architekt Horst Lechner symbolisch: Man muß um das Haus herumgehen können“ Gemeint sind dabei weniger täglich zu absolvierende Routinerunden stolzer Hausbesitzer – Sonnenradius, Aussicht, Nutzfläche, sowie geschützte Außenräume gelten als die neuralgischen Punkte der kollektiven Wohnform.

 

Wand an Wand 

 

Mit dem Grundstückskauf schwindet so mancher Traum vom Einfamilienhaus. Auch ausserhalb der Ballungsräume sind die Quadratmeterpreise in den vergangenen Jahren empfindlich in die Höhe geschnellt. Für eine fünfköpfige Familie in Kuchl bei Salzburg kam nur die Binneneinheit einer Reihenhausanlage in Frage. Eine Nolens-volens-Entscheidung. – Neben der angeführten Minuspunkten scheute man vor allem die konventionelle Enge solcher Bauten. Die Salzburger Architekten Christine und Horst Lechner interpretierten die Ängste richtig: Sie schufen einen Baukörper, dessen Innen/Außenbezug weit über die Gartenterrasse hinausgeht : indem sie zu beiden Seiten eine vollflächige , vier Geschoße hohe Glasfassade aufzogen – Hof unter Tag -, die bis in den Keller reicht: Büro Stauraum und Gästewohnung befinden sich unter der Erde. Sie sind taghell. Die Architekten haben sich hier nicht in ein räumliches Winkelwerk geflüchtet, sondern sind keck über die Grundfläche hinausgegangen. Mit dem zweiten Gebäudeteil, der unter der Zugangszone des Hauses liegt, wurde ein kleiner sehr intimer Hof geschaffen. Die Behandlung des Themas „Keller“ – hier durch einezusätzliche Außentreppeauch extern erreichbar und somit als Einheit nutzbar – hat im Falle des Kuchler Hauses, in architektonischer, wie materieller Hinsicht, ein zukunftweisende Dimension erfahren. Planungsakrobatik. Auch die drei darüberleigenden Wohgeschoße sind von der Anstrengung geprägt, möglichst viel Raum zu gewinnen, ohne die höchstzulässige förderbare Nutzfläche zu überschreiten. Der großzügige, durchlässige Fassadenraster gibt gewissermaßen das Thema für die Organisation des Grundrisses vor: Ein angenehmer Rhythmus von offen/geschlossen läßt das Licht auch vertikal zirkulieren, macht das Raumgesamte nahezu von jedem Punkt des Wohraumes spürbar. – Die Architekten haben hier ein Stahlträgersystem geschaffen, das mit relativ wenig Aufwand (gedämmte Holzeinsätze) beliebige Grundrißvarianten ad hoc ermöglicht. Dadurch kann gleichsam auf unterschiedliche Lebenssituationen reagiert werden.  

 

Zweiseitige Wohnen. ​

 

Die unaufhaltsamen Auf- und Abstiege von Morgen- und Abendsonne erlebt man hier in Großaufnahme. Das gesamte Haus ist bestimmt durch die eindrucksvolle Naturkulisse, die Landschaft marschiert ungehindert durch. Definitive Grenzziehungen wurden in diesem Sinne penibel vermieden: Glasbänder für Wand und Bodenabschlüsse, Raumeinheiten sind als Boxen fomuliert, wirken wie Möbel: etwa die Kombination aus Speis und Arbeitsbereich im Erdgeschoß, die als Raumteiler fungiert, die Wohn und Esszone abschirmt. Das beherrschende Element des Kinderbereiches im darüberliegenden Geschoß ist ein Glaskubus, er beherbergt das Bad - mit Aussicht . Wenn die Kinder größer sind werden sie die transparente Hülle mit Wasserfarben bemalen. Wenn es dunkel ist, scheint sich der hell erleuchtete Baukörper im Miteinander der relativ geschlosssenen Fassaden zu beiden Seiten aus der Bodenverankerung zu lösen.  

 

INFO BOX ​

 

K Wert der Gesamtfasade (über die Fläche gerechnet:>0,4Wm2 Heizung: Hackschnitzelanalge mit Warmwasserkollektoren, kontrollierte Wohraumlüftung mit Wärmerückgewinnung Grundstück 260 m2 Bebaute Fläche 81 m2 Wohnutzfläche 150 m2 Büro EG 10 m2 Büro UG 41 m2 Fertigstellung Mai 1998 

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