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SALZBURGER NACHRICHTEN 

Neues Leben unter altem Dach

Salzburger Nachrichten | Haustraum | Autorenschaft Gernot Stadler

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Wenn historische Dachböden in der Salzburger Altstadt ausgebaut werden, entsteht nicht nur neuer Wohnraum. Oft werden dabei auch wichtige Sanierungen angestoßen. 

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Bis zum Bau der Alpenstraße 1939 war die Nonntaler Hauptstraße Salzburgs einzige Ausfallstraße Richtung Süden. Sie durchzieht das Innere und das Äußere Nonn­tal auf fast zwei Kilometern bis zum Kommunalfriedhof. Bei der Mariensäule am Beginn der Fürs­tenallee beginnt das Äußere Nonntal. Ein paar Meter südlich davon wurde 1912 an der Kreu­zungszone mit der Erzabt-Klotz­Straße ein dreistöckiges Zinshaus gebaut. Der späthistorische Bau mit einem Eckerker in den beiden oberen Etagen und aufgesetztem Turmgeschoß in der Dachzone darüber wirkt herrschaftlich bis ansitzartig. Das rote Dach und die Fensterläden in gedecktem Sal­beigrün geben ihm einen alpen­ländischen Villenstil. Dazu passt auch die Aufschrift an der Fassa­de „Gottes Leh'n", möglicherwei­se eine Anspielung auf den histo­rischen Heimatroman des bayeri­schen Schriftstellers Ludwig Ganghof er von 1899. Innen ist das mustergültige Stiegenhaus mit den hölzernen Wohnungsein­gangstüren aus der Ursprungs­zeit erhalten, früher gab es eine Hausmeisterwohnung im Sou­terrain und zwei Dienstboten­zimmer unter dem Dach. 

 

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Bestehendes besser nutzen 

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In den 193oer-Jahren sollte das Haus um eine vierte Ebene erwei­tert werden. Ein negativer Be­scheid des Landeskonservators von 1935 mit Hinweis auf das Ge­samtbild des Stadtteils ist erhal­ten. Christine Lechner von den Lechner-Architekten findet das spannend: ,,Salzburg schaut nicht zufällig so aus, wie wir es heute kennen. Bei uns wurde of­fenbar schon vor hundert Jahren achtsam mit der bestehenden Substanz umgegangen." 

 

Dennoch ist sie sich sicher, dass das Haus schon bei seiner Entste­hung für eine zusätzliche Etage angelegt war. ,,Warum gäbe es sonst ein Turmzimmer mit drei Fenstern und Raumhöhen bis vier Meter? Für einen Dachboden eindeutig zu schade", findet Christine Lechner. Die Dachräu­me ebenso wie das Souterrain wurden von den Lechner-Archi­tekten saniert und für neue Be­stimmungen adaptiert. Im Sou­terrain entstanden Büro- oder Praxisräume, im Dachgeschoß zwei außergewöhnliche Woh­nungen mit sensationellen Aus­blicken. In den Etagen dazwi­schen wurden Stiegengeländer ergänzt oder absturzsicher auf­gerüstet und Schaltkästen den Brandschutzbestimmungen an­gepasst. Die original erhaltenen Eingangstüren zu den Wohnun­gen wurden innen mit einer dün­nen Brandschutzlage versehen, um die historische Substanz und Optik zu erhalten, erzählt Chris­tine Lechner: ,,Ausbauten in his­torischen Bauten wie diesen sind immer zugleich eine Instandhal­tung. Es tauchen fast immer Din­ge auf, die unbedingt saniert wer­den müssen. Das macht das Vor­haben meist aufwendiger als ge­plant, hält aber ein Gebäude auf lange Sicht instand." 

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Geschichte unter dem Dach 

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Ein sorgsamer Umgang mit dem Bestand war den Architekten von Lechner & Lechner auch beim Ausbau des Dachgeschoßes wichtig. Als Gebäude innerhalb der Salzburger Altstadtzone ist das Haus mit einem Erhaltungs­gebot belegt. Der historische Dachboden mit Bundtramen und Stuhlsäulen sollte bewahrt und behutsam verstärkt werden. ,,Das war ganz in meinem Sin­ne. Es ist ein hundert Jahre altes Dachgestühl, das man sehen soll und darf. Aber andererseits wäre es schade, so schöne Räume nicht sinnvoller zu nutzen. Durch den Dachstuhl entsteht eine reichhaltige räumliche Situation. Von den vier Metern am First geht es hinunter bis zum Knie­stock. Dadurch hat man zugleich das Opulente und das Gemütli­che, also ganz verschiedene Raumsituationen innerhalb einer Einheit." 

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Bundtram als Sitzbank 

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Bundtramen, Stuhlsäulen und Dachschrägen erschwerten die Raumeinteilung. Christine Lech­ner machte sich wie bei einem Puzzlespiel mit viel Detailliebe an die Aufgabe heran. Mit Hilfe von 3D-Software gelang es, die Räu­me so einzupassen, dass sie ohne große Barrieren genutzt werden können. Die Bundtramen werden teilweise als Sitzbänke oder Side­boards genutzt, mit Waschti­schen überbaut oder mit Split Le­vels begehbar gemacht. Christine Lechner war es nicht nur ein An­liegen, den Aufbau des 100 Jahre alten Dachgestühls sichtbar zu lassen, sondern auch Vorhande­nes wiederzuverwenden. Die pa­tinierte Eisentür zum einstigen Dachboden markiert heute den Eingang zu einem Garderoberaum in einer der neu renovier­ten Wohnungen. Eine zweiflüge­lige Etagentür aus dem Souter­rain trennt in der anderen Woh­nung Vor- und Wohnraum. Die Wandverstärkungen wurden be­wusst sichtbar gelassen, ebenso wie Auflageflächen für die Bund­tramen auf den tragenden Wän­den. ,,Das Spannende ist der Kon­trast zwischen Bestandskon­struktion und dem, was neu hin­zugekommen ist", erklärt Christi­ne Lechner bei der Besichtigung der Wohnungen. Die neuen Ein­bauten - von Türen bis zu den Einbauküchen - sind in schlich­tem Weiß gehalten, um den Be­stand wirken zu lassen. Architek­tin Christine Lechner: ,,Alles, was neu ist, ist zurückhaltend, aber eindeutig als nachträglich einge­baut erkennbar." 

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Erhalten und ergänzen 

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Zusätzlich zu den bestehenden Fenstern und anstelle der Gau­ben, die auf dem wärmegedämm­ten L-förmigen Dachfirst keinen Platz mehr fanden, wurden Dach­flächenfenster eingebaut. Chris­tine Lechner war es ein besonde­res Anliegen, dass jede neue Dachöffnung grandiose Ausbli­cke ermöglicht. Sie legte Sicht­achsen unter den Plan, und heute rücken beim Blick durch jedes der Fenster Staufen, Untersberg, Festung oder Richterhöhe ins Bild: ,,Einen von den Ausblicken ähnlich reichhaltigen Platz gibt es kaum in Salzburg. Man ist Teil der Altstadt und blickt zugleich in die Berge." Auf die Frage nach drei Regeln für einen gelungenen Dachbodenausbau antwortet Christine Lechner: ,,Den Bestand zeigen und zelebrieren. Das Prak­tische, Nützliche in etwas Schö­nes verwandeln. Und neue Fens­ter sollen wie Bilderrahmen funk­tionieren, also schöne Ausblicke gewähren." 

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